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Geschichte der Stadt

Geschichte der Stadt 

 

Die Stadt verdankt ihren Namen dem gallischen Stamm der Senonen, die durch die Eroberung Roms unter der Führung von Brennus etwa 390 vor Chr. in die Geschichte eingegangen sind. Auch Cäsar lagerte mit seinen Legionen in Sens, das damals den Namen Agedincum trug. Sens entwickelte sich zu einer blühenden gallo-romanischen Stadt, die sich nach diversen Überfällen von Barbaren-Stämmen im 3. Jhdt. mit imposanten Stadtmauern umgab.

 

Die kaiserliche Hauptstadt der weitläufigen Provinz „maxima senonia“ bleibt im Mittelalter eine große erzbischöfliche Metropole, welche die Diözösen von Chartres, Auxerre, Meaux, Paris, Orléans, Nevers und Troyes umfasst. So trägt der Erzbischof von Sens heute noch den Titel „Primat des Gaules et de Germanie“, welcher in der katholischen Kirche die Position des ersten Prälat nach dem Papst darstellt. 
Im 12. und 13 Jahrhundert erlebte Sens seine glorreichste Zeit, mit dem Bau der Kathedrale, dem Konzil, in dem sich der Heilige Bernhard und Abaelard gegenüber standen, dem Aufenthalt von Papst Alexander III., wie dem von Thomas Becket und der Hochzeit von Marguerite de Provence mit dem Heiligen Ludwig IX.

 

Nach den Zerstörungen des Hundertjährigen Krieges fand die Stadt im 16. Jhdt. zu seiner Größe zurück. Aus dieser Zeit stammen das Querschiff der Kathedrale, der Erzbischofspalast und das Haus Abraham... Durch die Religionskriege und mit der Gründung des Erzbischofstums von Paris im Jahre 1622 verliert die Stadt Sens jedoch an Autorität. Unter ihrer bischöflichen Verwaltung verbleiben seitdem nur noch Auxerre, Nevers und Troyes.

 

Einen gewissen Wohlstand erreicht die Stadt wieder im 18. Jhdt., wie es der Bau der zahlreichen Patrizierhäuser bezeugt. Die Revolutionswirren und das Empire schwächen die Stadt Sens, in welcher der Thronfolger, Sohn von Louis XV. und Vater von Louis XVI., begraben ist.

 

Ein Wiederaufstieg beginnt im Verlaufe des 19. Jhdt., vor allem dank der Ankunft der Eisenbahn. Die dritte Republik bestätigt diesen wiedergefundenen Wohlstand mit dem Bau der Markthalle, des Theaters und des Rathauses.

 

Im 20. Jhdt. bekräftigt die Größe des Marktes des 30. April die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt, die am Rande des Burgunds, der Champagne, der Ile-de-France und des Orléanais zu einem Kreuzungspunkt der Autobahnen geworden ist. Und dennoch ist es eine Stadt, in der es sich gut leben lässt, wobei sie den Reichtum ihres Erbes mit dem Charme ihrer Parkanlagen und Gärten wunderschön verbindet.

 

Berühmte Persönlichkeiten aus Sens und Umgebung

Es ist nicht leicht unter den zahlreichen Persönlichkeiten, welche die Geschichte von Sens und Umgebung beeinflusst haben eine Auswahl zu treffen. Brennus, der 390 v.Chr. an der Spitze der Senonesen mit der Eroberung Roms in die Geschichte eingeht, beginnt den Reigen dieser nachfolgenden Berühmtheiten:

 

Thomas Becket (London 1119 - Canterbury 1170): 

Erzbischof von Canterbury, hielt sich nach seiner Flucht aus England zwischen 1166 und 1170 in Sens auf. Er befand sich im Streit mit dem englischen König Heinrich II. In Sens begegnete er 1164 dem Papst Alexander III., an welchen Heinrich II. vier Geistliche sandte, um die Absetzung von Thomas Becket zu verlangen. Der Papst bestätigte Thomas Becket in seinem Amt und wies ihm als Aufenthaltsort die Zisterzienserabtei von Pontigny zu, wo er zwei Jahre verbrachte, bevor er wieder nach Sens zurückkehrte. Zurück in England wurde er am 29. Dezember 1170 ermordet. Am 5. September 1174 zerstörte ein Feuer den Chor der Kathedrale von Canterbury. Der Architekt Willhelm von Sens baute ihn neu auf und errichtete das Grabmal des Thomas Becket.

 

Louis IX, genannt Ludwig der Heilige (Poissy 1214-Tunis 1270):

Wenngleich Ludwig IX. nicht in Sens geboren ist, so ist er doch durch zahlreiche Ereignisse mit der alten Königsmetropole verbunden. Seine Hochzeit mit Marguerite de Provence am 27. Mai 1234 bildet einen der Höhepunkte in  der Stadtgeschichte. Des Weiteren ließ er sie durch den Erzbischof Gauthier zur Königin von Frankreich krönen und weihen. Ludwig der Heilige weilte mehrmals in Sens. So auch 1239 als er die Dornenkrone trug und die Sainte Chapelle (Heilige Kapelle) in Paris bauen ließ. Oder 1248 als er, begleitet von seiner Frau und seinen Brüdern, in den 7.Kreuzzug zog. Der letzte Besuch von Saint-Louis in Sens war im März 1270 für den Beginn des 8. Kreuzzuges, welcher ihm sein Leben kostete. Der Erzbischof von Sens wohnte 1297 seiner Heiligsprechung bei.

 

Jean Cousin der Vater oder der Ältere (Soucy um 1490 - Paris um 1560):

Als Sohn eines Winzers ist dieser Bildhauer und Maler des Sénonais in ländlicher Umgebung aufgewachsen. Von Weitem konnte er die Kathedrale von Sens erblicken, wo die Arbeiten nach dem Desaster des hundertjährigen Krieges wieder aufgenommen wurden. Er arbeitete dort als Vermessungsmeister. Man nimmt an, dass er die Glasfensterkunst bei den Meistern gelernt hat, die im nördlichen Querschiff die Glasfenster anbrachten. Im Jahre 1848 wird ihm in Sens eine Straße geweiht, jedoch besaß er nie das Haus, welches man ihm zugeschrieben hat. Einem der Besitzer des Hauses gehörte hingegen ein Bild dieses Künstlers „Eva Prima Pandora“, welches heute im Louvre ausgestellt ist. 1880 weihte man sein Denkmal im gleichnamigen Park ein.

 

Louis-Jacques Thénard genannt 'le Baron Thénard' (La Louptière 1777 - Paris 1857):

Er ist der Erfinder des mit Sauerstoff angereicherten Wassers und ging im Collège zu Sens in die Schule. 

 

Stéphane Mallarmé (Paris 1842 - Valvins 1898):

1896 zum ‘Prinz der Poeten’ gewählt, verbrachte er wichtige Momente seines Lebens in Sens. 1856 tritt er als Pensionär ins kaiserliche Lyceum von Sens ein. Diese Schule trägt heute seinen Namen und eine Straße ist nach ihm benannt worden.

 

Aristide Bruant (Courtenay 1851 - Paris 1925) :

Nach seinem Schülerdasein im Lyceums von Sens, welches er niemals vergessen hatte, wird er erster Sänger im Cabaret ‚Le Chat Noir’ des Montmartre, und  später dessen Besitzer. Er ist in Subligny, nahe bei Sens beerdigt.